„Unsere Vision“ oder

„Warum wir das tun, was wir tun“

Menschen kommen aus verschiedenen Gründen nach Deutschland. Flüchtlinge verbindet, dass sie nicht aus freien Stücken zu uns gekommen sind, sondern keine andere Wahl sahen. Weil in ihrer Heimat Krieg wütet, weil sie aufgrund ihrer politischen Einstellung, ihrer religiösen oder ethnischen Zugehörigkeit verfolgt werden oder weil sie aus anderen Gründen um ihr Leben fürchteten. Der Begriff „Flüchtling“ fasst all diese Menschen zusammen. Wir möchten diesen Menschen, die oftmals traumatische Ereignisse hinter sich haben, bei der schwierigen Aufgabe, in einem fremden Land und einer fremden Kultur Fuß zu fassen, helfen.

Während wir durch politische Bildungsarbeit auf die generelle Situation der Geflüchteten in Deutschland aufmerksam machen, stehen im Fokus unseres Mentoringprogramms vor allem junge Erwachsene, die alleine nach Deutschland gekommen sind.

Denn als junger Erwachsener sich in den Wirren des Lebens zurecht zu finden ist ohnehin selten leicht. Der Verlust von Heimat, Freunden und Familie macht es gewiss nicht leichter. Da es aber oft kaum oder wenig Angebote für diese Gruppe von Flüchtlingen gibt, sehen wir hier besonderen Handlungsbedarf. Wir wollen jungen Geflüchteten Mut geben, sich in dieser besonderen Situation, in die sie das Leben geworfen hat, zurecht zu finden. Zu den Aufgaben denen sie in dieser Situation gegenüber gestellt werden gehört nicht nur, ein komplett neues Leben aufzubauen, neue Hobbies zu entdecken oder neue Freunde zu finden. Dazu gehört auch berufliche Orientierung, das Entdecken der eigenen Potentiale und Möglichkeiten.

Oft hatten Flüchtlinge vor ihrer Flucht bereits ein Studium oder eine Ausbildung angefangen oder hatten einen Job, den sie aufgeben mussten.  Da die wenigsten Zeugnisse auf ihrer Flucht mit sich führen können, müssen sie in Deutschlang quasi „ganz von unten“  anfangen. Hinzu kommen weitere Schwierigkeiten: das Erlernen einer fremden Sprache und in vielen Fällen Konzentrationsschwierigkeiten als Folge eines Traumas. Das sind Erfahrungen, die frustrieren können und besonders viel Kraft und Durchhaltevermögen erfordern.

Anhaltende grausame Kriege zwingen zur Zeit besonders viele Menschen zur Flucht. Die Bilder, die sich uns bieten, können einschüchtern, Angst machen und auch das Gefühl einer Überforderung aufkommen lassen. Und die aktuelle Situation ist sicherlich auch eine Herausforderung. Aber gleichzeitig eine Chance, zu zeigen, dass wir bereit sind, es mit ihr aufzunehmen. Um zu zeigen, dass uns Mitgefühl und Zusammenhalt wichtig sind, dass wir tolerant und offen sind.

Die eigentliche Herausforderung liegt dabei sicherlich nicht in den finanziellen Mitteln. Jeder, der sich ernsthaft mit den Zahlen und dem Bundeshaushalt auseinandersetzt, kann sich selbst davon überzeugen. Niemandem wird in Deutschland eine Sozialleistung vorenthalten, weil es „zu viele Flüchtlinge gibt“. Trotzdem versuchen einige Gruppierungen und Parteien diesen Eindruck zu erwecken. Verschiedene -arme- Bevölkerungsgruppen gegeneinander auszuspielen war schon immer eine einfache und perfide Möglichkeit, um Emotionen zu erzeugen und Leute zu überzeugen. Zudem kann es auch sehr bequem sein, die Schuld für die eigene benachteiligte Situation oder Fehlschläge in seinem Leben nicht selbst tragen zu müssen, sondern anderen aufladen zu können. Am leichtesten fällt das, wenn man diese „Anderen“ möglichst fremd macht.

Ein effektives Mittel gegen rechte Stimmungsmache und das Schüren von Angst vor dem Fremden ist schlicht und einfach Bildung. Deshalb sind wir durch Infostände oder Bürgerforen präsent und möchten dazu beitragen ein realistisches Bild zu vermitteln, Fragen beantworten und unbegründeten Ängsten vorbeugen.

Die größere Herausforderung ist unserer Meinung nach die Integration. Wenn unterschiedliche Kulturen aufeinander treffen kommt es auch zu interkulturellen Missverständnissen. Kulturen haben unterschiedliche Normen. Ein Abweichen von der eigenen Norm wird oft als eine negative Eigenschaft wahrgenommen. In den seltensten Fällen liegt einem interkulturellen Konflikt eine tatsächlich böswillige Intention seitens einem der Beteiligten zugrunde, sondern mangelnde Kommunikation. Wenn man bereit ist, eine andere Kultur kennen zu lernen und eine neue Perspektive ausprobiert, dann kann kulturelles Lernen stattfinden, die für beide Seiten bereichernd ist. Denn ein bisschen von dem Anderen trägt man in der Regel immer in sich, man muss es nur entdecken. Kulturelle Vielfalt ist eine interessante  und spannende Erfahrung und kein Grund zur Sorge.

Chancen gestalten verfolgt das Ideal einer Gesellschaft, die grundsätzlich jeden Willkommen heißt.